Eines der schwierigsten Jahre in der Geschichte der Genossenschaft.
Ich habe beschlossen, von der bisherigen Form zusammenfassender Berichte abzuweichen, da es den normalen Rahmen einer kurzen Übersicht sprengen würde. Schon der Umfang an Sitzungen, Begehungen, Besprechungen, Versammlungen die in diesem Jahr abgehalten wurden, geht weit über die "normale" Tätigkeit von Vorstand und Aufsichtsrat einer Freizeit Organisation hinaus. Die einzelnen Punkte der jeweiligen Tagesordnung allein, würden schon mehrere Seiten füllen, die Abhandlung derer, einige mehr. Deshalb habe ich untenstehend, stark zusammengefasst und vor allem auf Presseberichten basierend, die Ereignisse des Jahres ohne jeglichen  Zahlenaufwand zu skizzieren versucht. Im anschließenden Artikel werden eingangs auch zeitlich zurückliegende Zusammenhänge der Problematik "Krankenhauserweiterung - Geländetausch" eingebunden.

Das Jahr 1989 war schicksalhaft für den Fortbestand der Gartengenossenschaft. Die geplante Krankenhaus-Erweiterung, eine Angelegenheit höchster Priorität für OB Möhrle, sollte zügig vorangetrieben werden. Mehrfach wurden in früheren Jahren Flächen wegen Ausbau des Krankenhauses an die Stadt Singen im Zuge von Geländetausch abgetreten. Dies hatte eine zunehmende Zerstückelung der Genossenschaftsanlage zur Folge.
Das Abtreten weiterer Flächen war somit für die Genossenschaft nicht mehr hinnehmbar und führte zur Überlegung, eine Ersatzfläche zu fordern. Besonderes Augenmerk dabei hatten zwei Voraussetzungen: die Genossenschaft zieht geschlossen in ein einziges, zusammenhängendes Gelände um, und die Bodenbeschaffenheit der neuen Fläche sollte gleichwertig mit der bestehenden sein. Darum, und vor allem um letzteres, entbrannte ein erbitterter Kampf.
Die Chronologie der Fakten:
Im Laufe des Jahres 1989 bahnen sich Verhandlungen über einen Geländetausch zwischen der Stadtverwaltung und den Vorständen der Genossenschaft, Felgenhauer und  Dr. Werner,  an.
Die Stadt Singen beansprucht das Gebiet links des Torkelweges zum Bau von Unterkünften für dringend benötigtes Pflegepersonal. Offenbar einigen sich Vorstände und  Stadtverwaltung auf ein Gebiet in der Südstadt, welches zuvor für den Bau eines Hallen- und Freibades vorgesehen war, genannt  "Oberer Bühl". Durch eine vom Gemeinderat genehmigte Änderung des Bebauungsplanes wird dem Areal nun die Verwendbarkeit als Gartenbaufläche zugewiesen. 
So meldet der Südkurier am 4.10.89, dass die Gartengenossenschaft geschlossen in die Südstadt umzieht. Der spätere Vorstand  G.Stöcklin bezeichnet diesen Pressebericht in seinen Aufzeichnungen signifikant als "Beginn des Dramas".
Da das neue Gelände wegen seiner Bodenbeschaffenheit (Steinwüste) nach Ansicht  von Spezialisten für Agrarwissenschaften der Uni Hohenheim für den Gartenbau völlig ungeeignet ist, weigert sich ein Teil der Mitglieder dorthin umzuziehen. Ein Ersatzgebiet wird daher von einigen Mitgliedern, vertreten durch den Aufsichtsratsvorsitzenden E. Schaupp, gefordert. Somit droht der Genossenschaft ein Auseinanderbrechen. Durch den bereits im September wegen Meinungsverschiedenheiten über die Verhandlungsführung erfolgten Rücktritt der Vortstände, entsteht ein Gesprächsstillstand mit der Stadtverwaltung. OB Möhrle, welcher  nichts mehr fürchtet als eine Verzögerung des Zeitplanes in der Durchführung des Bauvorhabens,  will von neuen Verhandlungen mit dem "Rumpfvorstand" nichts wissen und droht zwischendurch mit juristischen Maßnahmen, wörtlich: Enteignung!
Durch die Neuwahl von Vorstand und Aufsichtsrat in der Generalversammlung vom 19.10. wird die Position der strikten Ablehnung des Südstadtgeländes bekräftigt und das Gebiet der ehemaligen Gärtnerei Schmidt/Klingel an der Schaffhauser Straße als Ersatz gefordert.
Erst als die Gemeinderatsfraktionen auf den Disput zwischen OB und Gartengenossenschaft aufmerksam werden, kommt erneut Bewegung in die Sache. Nach mehreren Gesprächen von AR/VS mit den einzelnen Fraktionen, wird OB Möhrle von diesen mehrfach aufgefordert neue Verhandlungen aufzunehmen. H. Möhrle verspricht letztendlich "eine tragbare Lösung"  anbieten zu können, berichtet der Südkurier am 29.11.89.

Dass die Auseinandersetzung mit der Stadtverwaltung vornehmlich über die Presse öffentlich geführt wurde, zeugt von der lokalpolitischen Dimension der Angelegenheit. An dieser Stelle sei der  besondere Einsatz  des Aufsichtsratsvorsitzenden E.Schaupp  hervorzuheben.

Vorstände: Werner Groß, Günter Stöcklin
Aufsichtsräte: Ernst Schaupp, Alfred Schwarz, Herbert Pittelkow, Jakob Ferch, Werner Erne.

Es fanden statt: 6 VS/AR Sitzungen (einschl. 2 außerordentlichen), 1 Begehung Tauschgelände "Oberer Bühl", 1 außerordentliche Mitgliederversammlung, 1 Generalversammlung,
 4 AR/VS Gesprächsrunden mit den Fraktionen des Stadtrates.

 

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