Fortsetzung der Chronik der Gemüsebaugenossenschaft Singen (Htwl.) eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht

 

von Annemarie Obergföll

 

Einem Chronisten, wie Herrn Hans M a i e r, in dessen Fußstapfen zu treten, ist nicht leicht. Aber ich will es nach besten Kräften versuchen und anknüpfen dort, wo er am 29. September 1959 mit seiner Chronik ge­ endet hat.

 

Die 51. Generalversammlung am 10. April 1960 fand im Jäger Stüble statt. Der damalige Vorstand, Herr Holzer, gab einen kurzen Rückblick auf das 50-jährige Jubiläum, und bedankte sich noch einmal für alles. Ansonsten ergab die Tagesordnung keine wesentlichen Sonderpunkte. Aber die Bilanz von 1959 ergab ein Defizit von DM 155,34, was ein unachtsam verschwende­ter Wasserverbrauch und die Jubiläumskosten verursacht hatte. 10 neue Genossen wurden in die Familie der Gartenliebhaber aufgenommen. So betrug also die Mitgliederzahl im Jahre 1960 = 106 Mitglieder.

 

In der 52. Generalversammlung am 11. März 1961 im Sternenstüble wurde u.a. Herr Willi Schroff für 25-jährige Arbeit als gewissenhafter Kassierer geehrt. Wie aus den Protokollen so hervorgeht, steht die Genossenschaft eigentlich mit allen ihren Sorgen und Problemen stets auf gutem Fundament, dank einer umsichtigen und gewissenhaften Vorstandschaft, unter der Führung - unter der bewährten Führung - von Herrn Holzer, der sein Amt aber in der 53. Generalversammlung, am 3l. März 1962 im Sternenstüble zur Ver­fügung stellen wollte, weil, wie er meinte, einen jungen Vorstand zu wählen gegeben erscheine. Doch weil wiederum Gelände an die Stadt ab­ getreten werden sollte, sei Herr Holzer der geeignete Mann um Verhandlungen zum Wohle der Genossenschaft durchzufechten. So ergab sich dann, daß Herr Holzer und Herr W. Schroff bei den Verhandlungen mit dem damaligen OB Diez, und dem damaligen Vermessungsrat Ruf, verhandlungseinig geworden sind über Abgabe von Gärten an der Schaffhauserstrasse für die heutige Bushaltestelle.

 

Das war erst der Anfang einer langen Reihe von Versuchen, der Genossen­ schaft ihre Gärten langsam aber sicher zur Aufgabe schmackhaft zu machen. Das einst so groß und in schönster Lage Singens erbaute Krankenhaus wurde zu klein und drohte aus allen Nähten zu platzen, weil die aufstrebende Industriestadt Singen immer mehr Zuzug von Arbeitssuchenden bekam. In der Altstadt von Singen wurden immer mehr Grundstücke und Gebäude aufgekauft von denen, die alles modern haben wollten. Leider sind unter den Grundstückseigentümern auch meist solche zu finden gewesen, die Heimat und Scholle hinter die Liebe zum Geld setzten. So wurde es auch immer wieder mit der Abgabe von Gartengelände beim Krankenhaus versucht.

 

Aber Dank einer einigen bodenständigen Vorstandschaft, die nicht vergaß, unter welchen Unständen einst das Gebäude sauer erworben wurde, blieben die Gärten im wesentlichen den Gartenfreunden auch z.T. im Tausch er­ halten. Man bekam bis dahin in etwa auch ebenbürtiges Gartengelände-, was Bodenbeschaffenheit anbelangte, ersetzt. Da die Stadtverwaltung ihrer­ seits mit sehr "Geschäftstüchtigen Sachwaltern" aufgewartet hat, war es nicht immer leicht, richtige Entscheidungen zu treffen, die der Genossen­ schaft und nicht nur dem Geldbeutel gerecht wurden.

 

Die 55. und 56. Generalversammlungen verliefen ohne besondere Vorkomm­bisse, im gewohnten Stil. Sie bekamen bunte Farbtupfer durch die Diavortrage über unsere schöne Heimat, vorgeführt von Herrn Schaupp, die er von da ab regelmäßig zur großen Freude aller Versammlungsteilnehmer fortsetzte.

 

Die 57. Generalversammlung am _18. März 1966, damals noch im Burghof, und die 58. Generalversammlung am 18. März 1967 brachten nichts Er­ wähnenswertes. Der langjährige, vorbildlicher Kassierer, Herr W. Schroff, wurde 80 Jahre alt und wurde entsprechend geehrt. Ansonsten ergaben die Wahlen keine Änderung.

 

Die 59. Generalversammlung am 09. März 1968 brachte ein heißes Thema zur Sprache. Die Stadt beschwerte sich über Gartenpächter, daß sie durch Verbrennen von Gartenabfällen - auch in nassem Zustand - Geruchsbelästi­gungen nicht dulden kann. Herr Holzer und sein 2. Vorstand wurden bei Herrn Rechtsrat Eisele damals vorstellig und man kam zu dem Ergebnis, daß nur ganz dürre Gartenabfälle, und nur wenn der Westwind geht, verbrannt werden dürfen.

 

Herr Holzer bat die Versammlung dafür Sorge zu tragen, daß solche Rauch­ belästigungen, die auch polizeilich Vorboten sind, zu unterlassen und auch die Wasserhähnen zu schließen, wenn die Gartenarbeit beendet ist. Mitgliederstand 1967 = 103 Mitglieder. Ferner war ein besonderes Ereignis zu verzeichnen.

 

Herr Holzer ließ sich nicht mehr als 1. Vorstand aufstellen. Von Herrn ; Homburger und Herrn Alfons Schroff wurde Herr Schaupp als 1. Vorstand vorgeschlagen, der die Wahl aber ablehnte. Herr Homburger wurde dann mit 47-0 Stimmen zum 1. Vorstand gewählt und nahm auch die Wahl an. Er machte den Vorschlag, für sein bisheriges Amt als Aufsichtsratsmit­ glied Herrn Schaupp zu wählen. Abstimmung: Einstimmig 47 - 0. Herr Schaupp nahm die Wahl an. Herr Wilhelm Schroff als Aufsichtsratsmitglied stellte sein Amt altershalber zur Verfügung. Herr Erne wurde vorgeschlagen und mit 47-0 Stimmen gewählt. Er nahm die Wahl an.

 

Der neue Vorstand H. Homburger schlug vor, den Pachtzins um DM l,— pro Ar zu erhöhen. Der Wasserzins blieb wie bisher. Für Neumitglieder wurde das Eintrittsgeld auf DM 2, — festgesetzt, sonst nichts Nennenswertes. Die Generalversammlung wurde wiederum mit einem Lichtbildervortrag von Herrn Schaupp aufgehellt. Vorstand Homburger dankte dem langjährigen Vor­ standsgremium und schloss die Versammlung mit dem Leitsatz: " Einer für alle und alle für eine“.

 

Die 60. Generalversammlung am 09.03.1969 im Sternenstüble brachte nichts Erwähnenswertes. Lediglich neue Pachtzinsfestsetzung, Wasser­zins auf DM 3, — , der Pachtzins auf DM 12,— pro Land. Die üblichen Ermahnungen des Vorstandes. Durch einen herrlichen Lichtbildervortrag von Herrn Schaupp wurde die Versammlung beendet.

 

Die 61. Generalversammlung am 14.03.1970 im Sternenstüble brachte die Bekanntmachung von Herrn Dusel, daß er auf die Dauer den Kassierer nicht mehr machen will.

 

In den Gärten wurden 4 Wasserentnahmestellen geschaffen und 100 mtr. Rohrleitungen verlegt sowie 50 Platten für Garteneinfassungen beschafft. Wieder sorgten sich Gartenfreunde darum, daß das Gelände links vom Torkel­weg an die Stadt verkauft werden soll. Vorstand Homburger versicherte, daß nichts bekannt sei. Ansonsten verlief die Versammlung im üblichen Stil.

 

In der 62. Generalversammlung am 13.03.1971 war der Tod vom ehemaligen vorbildlichen, langjährigen Rechner und Kassierer, Herrn Wilhelm Schroff, zu beklagen. Seit 1917 war er Mitglied der Genossenschaft und über 40 Jahre ehrenamtlicher Rechner.

 

Herr Homburger wollte sein Vorstandsamt altershalber zur Verfügung stellen, aber das Plädoyer von Herrn Schaupp bewegte ihn zur Weiter­ führung. Aufgrund seines Verantwortungsbewusstseins nahm er die Wieder­ wahl an.

 

Pachtzins blieb, Wasserzins wurde aufgrund der städt. Gebührenordnung bzw. Anhebung auf DM 4.— erhöht.

 

63. Generalversammlung am 19.02.1972 im Sternenstüble. Tagesordnung wie gewohnt ohne weitere Abweichungen. Vorstandsmitglied Alfons Schroff stellte sich krankheitshalber nicht mehr zur Wieder­ wahl. Kassierer Dusel hat seine Mitgliedschaft zum 31.12.1971 gekündigt und scheidet aus der Genossenschaft aus.

 

Für Herrn Schroff wurde Herr Erne vorgeschlagen. Wahl: 39-0 Stimmen, Herr Erne nahm die Wahl an.

 

Für Herrn Dusel wurde Herr Heinz Müller als Kassierer mit 39-0 Stimmen gewählt. Aufgrund des hohen Wasserverbrauchs wurde der Wasserzins und auch der Pachtzins zusammen auf DM 20,— festgesetzt.

 

Die 64. Generalversammlung am 17.03.1973 im Hotel Sonne brachte nichts Nennenswertes.

 

Die 65. Generalversammlung am 06.04.1974 im Sternenstüble wurde, wie

 

üblich, abgehalten. Im vergangenen Jahr waren 7 Abmeldungen, dafür aber

 

wieder 7 Neubewerber interessiert.

 

Herr Homburger gab das Amt des 1. Vorstandes altershalber auf. Er war ein umsichtiger, fleißiger Vorstand, der mit Pflichtbewusstsein, Fleiß- und Ordnungssinn - manchmal mit kantigem Gemüt - die Gartenfreunde bei der Stange behielt.

 

Herr Erne wurde einstimmig gewählt und nahm die Wahl an. Herr Homburger wurde 2. Vorstand.

 

Herr Wehrle dankte im Namen aller Herrn, Herrn Homburger für seine sechs­ jährige Arbeit als 1. Vorstand und auch Herrn Karl Weber für seine vier­ zehnjährige Tätigkeit als Schriftführer, jedem mit einem kleinen Geschenk.

 

In der 66. Generalversammlung am 12.04.1975 im Sternenstüble wurde noch- einmal der Pacht- und Wasserzins um DM 2,— angehoben. Die Versammlung stimmte für DM 5,—, Herr Erne blieb bei DM 2, — Erhöhung. Die Pächter von der Gartenanlage an der Schaffhauserstrasse sehen sich in vieler Hinsicht benachteiligt gegenüber den Gartenpächtern am Torkel­ weg. Warum? Ansonsten wie immer gewohnter Verlauf.

 

Die 67. Generalversammlung am 08.05.1976 in der Hegaustube wurde über­ schattet vom plötzlichen Tod von Herrn Richard Wehrle. Er hat sich viele Jahre um die Genossenschaft sehr verdient gemacht. Er war ein fleißiger Mann im Aufsichtsrat und war mit seiner besonnenen, ruhigen Art von Jeder­mann geschätzt und geachtet.

 

Anton Weber scheidet aus dem Aufsichtsrat aus und stellt sich nicht mehr zur Wiederwahl. Dafür wurde Herr Kassier Müller und für Herrn Wehrle Alfred Obergföll in den Aufsichtsrat gewählt. Beide nahmen die Wahl an. Herr Schaupp wurde als Nachfolger von Herrn Richard Wehrle zum Aufsichts­ ratvorsitzender gewählt.

 

In der allgemeinen Diskussion wurde über die Einrichtung von weiteren Wasserzapfstellen in der Gartenanlage an der Schaffhauserstrasse ge­ sprochen. Ansonsten ergab die Versammlung keinerlei Besonderheiten und nahm ihren üblichen Verlauf.

 

Ab 01.01.1977 wurde die Gemüsebaugenossenschaft GmbH auf Veranlassung des Badischen Genossenschaftsverband Raiffeisen Schulze-Delitsch eV. Karlsruhe in eine Gartenbaugenossenschaft eG. notarisch umgeschrieben und in der Satzung geändert.

 

Bei der 68. Generalversammlung am 02.04.1977 im Sternenstüble war nichts Außergewöhnliches zu verzeichnen, lediglich wurde der Pachtzins wegen erhöhter Unkosten wieder erhöht. Es ist die Zeit der allgemeinen, lang­sam ansteigender Teuerung, Deswegen ist die Nachfrage nach Gartenland wieder etwas reger geworden, nicht nur von Seiten der Gastarbeiter. An der Gartenanlage an der Schaffhauserstrasse sind in den beginnenden 70iger Jahren fast durchweg Ausländer als Gartenpächter eingetreten. Im allgemeinen halten sie sich an die Gepflogenheiten und sind gute Garten­ nachbarn, nur mit der Verständigung klappt es nicht immer so richtig. Der Pachtzins wurde dann auf DM 25,— festgelegt.

 

Die 69. Generalversammlung am 06.05.1978 im Sternenstüble wurde über­ schattet vom Tode des langjährigen, früheren Vorstandes der Gartenbau­ genossenschaft, Herrn August Holzer. Er starb im Alter von 85 Jahren. Viele Jahre und in alterschwerster Zeit war er ein umsichtiger, stets aufgeschlossener Vorstand, der die Geschicke der Genossenschaft stets zum Wohle aller leitete und vor allem war er ein zäher Verhandlungspartner, als es darum ging Geländeabtretungen in folge von verschiedenen Krankenhauserweiterungen zu verteidigen.

 

Die Versammlung nahm bewegt sein Tod zur Kenntnis und gedachter seinern ehrender Erinnerung.

 

8 Kündigungen von Gartengrundstücken gab es zu verzeichnen, die jedoch alle wieder belegt werden konnten. Wieder wurden der Gartenanlage an der

 

Schaffhauserstrasse Platten für Gartenwege versprochen, aber leider warten alle noch bis heute vergeblich darauf.

 

In der Generalversammlung hat sich auch der Aufsichtsrat "verjüngt".

 

Herr Maier schied aus, dafür kam Herr Binder.

 

Die 70. Generalversammlung am 10.03.1979 im Sternenstüble war von nur 28 Genossen besucht. Leider sind es die ganzen Jahre her immer die gleichen Gesichter, die daran teilnehmen. Nach Verlesen der Protokolle und Revisions- bereichte ergab es bei Neuwahlen Änderungen.

 

Herr Erne und Herr Homburger blieben 1. und 2. Vorstand. Kassierer Müller musste aus familiären Gründen seinen Posten zur Verfügung stellen. Er führte die Genossenschaftskasse vorbildlich. Sein Nachfolger ist zum ersten Mal in der Geschichte der Genossenschaft eine Frau. Frau Stöcklin wurde mit

 

27 Stimmen und l Enthaltung gewählt und führt jetzt die Kasse zur vollsten Zufriedenheit.

 

Bei Punkt 11 der Generalversammlung musste der Pachtzins neu festgelegt werden. Vorgeschlagen wurden DM 30,— und DM 32,—. Nach Abstimmung blieb der Pachtzins bei DM 30,--.

 

Kassierer Müller gab eine kurze Aufstellung über Zusammensetzung des Pacht­ zinses von bisher DM 27,- :

 

auf Wasser entfallen.......................... DM 6,-

 

an den Verband abzuführen ...............DM 5,-

 

an die Genossenschaft .......................DM 6,-

 

Steuer und Haftpflicht........................ DM 1,-

 

an Girokasse..................................... DM 0,50

 

gesamt............................................... DM 18,50

 

verbleiben für gemeinnützige Zwecke zum Wohle aller DM 8,50.

 

In Jahre 1979 begeht die Genossenschaft ihr 70jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass will die Vorstandschaft eine Feier veranstalten. 70 Jahre einer guten Entwicklung unter einer stets guten Führung der Genossenschaft haben viele Gartenfreunde geholfen, ihren täglichen Bedarf an sauberem, ungiftigem Ge­müse zu decken. Bei Gründung der Genossenschaft waren es sozial schwach gestellte bzw. kinderreiche Familien, die durch diese Einrichtung einen eigenen Garten bewirtschaften konnten ohne befürchten zu müssen, daß er ihnen willkürlich weggenommen werden konnte.

 

In den langen Jahren wechselten die Gärten immer wieder ihren Besitzer bzw. Pächter, sei es durch Tod, altershalber oder Wegzug. Andere wieder Über­nahmen die Gärten von ihren Eltern. So sind die Gärten z.T. 20 und noch mehr Jahre im gleichen Besitz. Leider sind die Gärten an der Gartenanlage in der Schaffhauserstrasse durch den immer stärker werdenden Straßenverk ehr sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Es ist nicht die reinste Freude an so belebter Straßenecke überzeugter Gartenfreund zu bleiben.

 

Auch die hohen Nussbäume der Stadt geben den Gärten zu viel Schatten. Aber es ist die Zeit angebrochen, wo man wieder froh ist, ein Garten­ land zu besitzen und anpflanzen zu können und wir wollen auch hoffen, daß die geplante, verlängerte Ekkehardstrasse nicht nur Planwerk ist, sondern auch tatsächlich bald gebaut wird, damit die Gartenfreunde bei ihren Gartenarbeiten auch mal bessere Luft atmen und Gemüse ohne Blei­verschmutzung ernten können.

 

Es ist unser aller Wunsch, daß die Genossenschaft weiterhin von pflicht­ bewußten Männern mit Verantwortung und Liebe zur Heimat und Scholle geführt noch recht lange weiterbestehen und nach dem Wahlspruch:

 

 

" Einer für alle und alle für einen "

 

die Probleme der kommenden Jahre meistern kann.

 

Die Chronistin wünscht der Genossenschaft und ihren Gartenerzeugnissen stets gutes Gedeihen, den Pächtern gute Gesundheit und allerzeit viel Freude an ihrer Gartenarbeit, damit das Werk, das von Männern aufrechten Charakters ins Leben gerufen und geschaffen wurde in deren Sinne noch lange weiterbestehen kann und über die Wirren der Wegwerfgesellschaft hinüber kommen mag.

 

 

 

Singen, den 20. Februar 1981

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