der "Gemüsebaugenossenschaft Singen (Hohentwiel) - Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht"

 

Von Hans Maier, Singen

 

Nach der Jahrhundertwende gab es immer wieder Krisenjahre und demzufolge zeitweilige Kurzarbeit auch in den Betrieben der sich rasch entwickelnden Stadt Singen. Bas Einkommen und die soziale Lage der Arbeiterschaft war damals noch sehr bescheiden und wurde in solchen Krisenzeiten noch weiter verschlechtert  Jeder Werktätige war deshalb darauf angewiesen, bei sparsamsten und einfach­sten Lebensverhältnissen auf irgend eine Weise seine kargen Lebensbedingungen zu verbessern, sei es durch eine Nebenarbeit, durch Mitverdienen seiner Frau oder sonstiger Familienangehöriger, vor allem aber indem der Hauptbedarf der Familien an Gemüsen, Beeren, evtl. auch an Kartoffeln, Obst usw., durch die Bepflanzung eines Gartengrundstückes selbst gedeckt wurde. - Nun war es aber in der sehr schnell aufstrebenden Stadt Singen schon in jenen Jahren gar nicht mehr so einfach, so seltsam das erscheinen mag, auf lange Dauer geeignetes, gutes und billiges Pachtgelände, zur Anlegung von Kleingärten zu erhalten. Zwar gab es auf den damals in allen Stadtvierteln vorhandenen Baulücken noch eine ganze Menge Kleingärten und auch am damaligen Stadtrand waren ganz umfang­reiche Kleingartengelände vorhanden, so z.B. das sogenannte "Kabisland" auf dem Areal neben dem "Bloäkerbächli", da wo heute das Schlachthaus steht. Oder auch das Gelände rund um und hinter der zu jener Zeit gerade im Bau befindlichen Herz-Jesu-Kirche, die damals noch dicht am Stadtrand lag. Über allen diesen Gartengeländen stand aber immer die Unsicherheit. Man war nie gewiss, wie lange man sein gepachtetes Gärtchen noch besitzen würde. Durch das fast in amerikanischem Stil vor sich gehende Bautempo in Singen war die Grund­stückspekulation in hohe Blüte gekommen und viele Grundstückbesitzer gaben deshalb ihr Gelände pachtweise nur zu Bedingungen ab, die einen auf Jahre hinaus sicheren Bestand eines Pachtverhältnisses einfach ausschlössen. Auch die Pachtzinsen waren mitunter recht erheblich. Mancher Kleingartenpächter , der damals in einem Stadtaußenbezirk oder in einem vor Bautätigkeit vorerst noch sicher erscheinenden, unbebauten Stadtviertel sein Kleingärtchen mühselig angelegt hatte, musste Hals Über Kopf schon nach ein oder zwei Jahren sein Gärtchen wieder aufgeben, weil darauf ein Neubau erstellt oder mitten durch eine Strasse gebaut wurde.

 

Um diesen Übelständen abzuhelfen, vor allem aber, um die soziale Lage der z.T. kinderreichen Mitglieder des Katholische Arbeitervereins hierdurch zu verbessern, auch um eine auf lange Zeit sichere Grundlage für einen Kleingarten besitz zu schaffen, machte der damalige Stadtpfarrer und spätere Geistl. Rat, Prälat und Ehrenbürger der Stadt Singen August Ruf ca. zu Beginn des Jahres 1909 den Vorschlag, durch die Beschaffung von geeignetem Gelände eine sichere Kleingartenkolonie auf genossenschaftlicher Basis für die Vereinsmitglieder zu errichten. Diese Überlegungen fanden starken Beifall bei vielen Mitgliedern des Katholische Arbeitervereins.

 

Um diese Pläne in die Tat umzusetzen, bildete man deshalb zunächst im Spät- Jahr 1909 im Rahmen des Katholische Arbeitervereins eine vorbereitende Kommission zur Gründung einer Gemüsebaugenossenschaft, die unter dem Vorsitz von Stadtpfarrer August Ruf stand. Der Kommission gehörten außerdem (soweit noch feststellbar) u.a. an: Vikar Anton Sälinger, - Josef Minges, Obergärtner - Peter Ehinger, Schlosser - Albert Morath, Fabrikarbeiter - Josef Kleibrink, Arbeiter Sekretär - Reinhold Haag, Buchhalter - Franz Berner, Schlosser - Otto Auer. — Durch diese vorbereitende Kommission wurde der Betrieb der Genossenschaft schon bald in Gang gebracht. Man nahm Mitglieder auf, schuf die Grundlagen für die Kleingärten durch vorsorglichen, unverbindlichen Kauf und Verhandlungen zum Kauf von Gartenland und durch die Planung und den Baubeginn der erforderlichen Baulichkeiten. Außerdem traf man die Vorbereitungen zur Durchführung einer Gründungsversammlung. Nach manchen Sitzungen der vorbereitenden Kommission wurde die vorgesehene Gründungsversammlung auf den 28. März 191o festgelegt und an diesem Tag auch abgehalten. Es waren hierzu folgende 17 Personen erschienen:

 

August Ruf, Stadtpfarrer

 

Anton Sälinger, Vikar

 

Josef Kleibrink, Arbeitersekretär

 

Franz Berner, Schlosser

 

Josef Axamit, Fabrikarbeiter

 

Josef Muffler, Fabrikarbeiter

 

Konrad Locher, Fabrikarbeiter

 

Wilhelm Oberle, Schlosser

 

Hermann Mossbrugger, Fabrikarbeiter

 

Gebhart Schafheutle, Fabrikarbeiter Heinhold Haag, Buchhalter Bartholomäus Bloching, Arbeiter Karl Schlag, Schlosser Anton Albert, Controlleur Ludwig Buchegger, Bürogehilfe Ferdinand Merk, Feldhüter Albert Morath, Fabrikarbeiter

 

Es wurde beschlossen, die "Gemüsebaugenossenschaft Singen und Umgebung - Ein­getragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht" zu gründen. Die vorgelegten, von Stadtpfarrer Ruf ausgearbeiteten und von der vorbereitenden Kommission geprüften Statuten wurden einstimmig gebilligt und von den Versamm­lungsteilnehmern unterschrieben. Die darauf statutengemäß erfolgte Wahl der 6 Aufsichtsratsmitglieder zeigte folgendes Ergebnis: Stadtpfarrer August Ruf - Vikar Anton Sälinger - Josef Minges - Peter Ehinger - Albert Morath — Otto Auer.

 

Nach § 12 der Statuten wurde darauf in der gleichen Versammlung der aus drei Mitgliedern bestehende Vorstand gewählt. Im Protokollbuch sind jedoch nur zwei Vorstandsmitglieder aufgeführt und zwar (Text im Wortlaut):

 

Josef Kleibrink, - Vorsitzender des Vorstandes und Geschäftsführer

 

Reinhold Haag, Kassier.

 

Es dürfte sich hierbei um einen Verschrieb handeln. Nach der mündlichen_ Überlieferung war Stadtpfarrer August Ruf in der ersten Zeit des Bestehens der Genossenschaft wahrscheinlich gleichzeitig 1. Vorstand und Aufsichtsratsvorsitzender, Josef Kleibrink 2. Vorstand und Reinhold Haag Kassier.

 

In der Gründungsversammlung wurde ferner bekannt gegeben, dass bereits vorbe­haltlich der Genehmigung durch die Versammlung ein Grundstück in der Große von ca. 3 1/2 Morgen zum Preise von 7o75.-_Mark gekauft worden sei, das im Gewann Twielfeld, angrenzend an das Gewann Plappert am Fuße des Hohentwiel, in der Nähe der Gottmadinger Strasse gelegen sei und sich durch seine günstige Lage und ausgezeichnete Beschaffenheit ganz vorzüglich für Gartengelände eigne. Dieses Grundstück werde in Parzellen von 2, 3 und 4 Ar aufgeteilt und an die Genossenschaftsmitglieder verpachtet. Die Versammlung stimmte dem Kauf zu und beschloss weiter dieses Grundstück mit einem "Hag" (Zaun) zu versehen und eine Wasserleitung in dieses zu legen, sowie Bestimmungen über die Be­nutzung des Gartengeländes und über das Verhalten der Pächter in demselben auszuarbeiten.

 

Die Finanzierung des ganzen Vorhabens geschah durch ein größeres Darlehen aus der Kasse des Katholische Arbeitervereins sowie durch weitere Darlehen verschiedener wohlhabender Singener Bürger und durch von der Rhein. Hypotheken Bank Mannheim gegebene Hypotheken

 

In einer Aufsichtsratssitzung vom 4-.April 191o wurden die Ämter für den Aufsichtsrat durch Wahl wie folgt verteilt:

 

 Stadtpfarrer August Ruf ...................... Vorsitzender des Aufsichtsrates

 

 Peter Ehinger, Schlosser .....................Stellv. Vorsitzender des Aufsichtsrates

 

 Anton Sälinger, Vikar ......................... Schriftführer

 

 Josef Minges, Obergärtner...................Stellvertr. Schriftführer

 

Während einer Zeitspanne, die sich vom April 191o bis März 19 11 hinzog, wurde in vielen Besprechungen und Sitzungen des Aufsichtsrats und Vorstandes die weitere Organisation der Gemüsebaugenossenschaft vorgenommen, das gekaufte Gelände ließ man zweckmäßig gestalten, es wurde eingezäunt, mit Wasserlei­tung und großen zementierten Brunnentrögen versehen, weiteres Gelände wurde dazugekauft und man setzte die Pachtzinsen fest. Letztere mit 4.- Mark für ein 1 Ar für Genossen und mit 5.- Mark für ein Ar für Nicht genossen. Es sollen hier einige Einzelheiten und Zahlen aus diesen Sitzungen und deren Beschlüssen und aus der Generalversammlung vom 5.11.1911 erwähnt werden, weil diese für die Entwicklung der Gemüsebaugenossenschaft und im Vergleich zu den heutigen Verhältnissen sehr interessant sind (Die in Klammern gesetzten sind diejenigen der betreffenden Sitzungen):

 

Es wurden 4 Wassergruben (große betonierte Brunnentröge) und 2 Wasserhähnen erstellt. Die Wassergrubenherstellung der Sockel für den "Hag" (Zaun) beides in Zement, wurden zum Preise von 13.- Mark pro cbm (m³) an Maurermeister Hermann Stump vergeben (9. u. l4.7.lo.) Zwei frühere Pächter des Grundstücks (Otto Denzel u. Waibel) werden für 3 Wagen Mist (die bereits auf dem Grundstück liegen) mit 24.- Mark und für 4 Wagen Mist mit 3o.- Mark entschädigt. — Es wurden zwei Wege mit je 2,5 Meter Breite angelegt und die Schlackenlieferung an Ort und Stelle erfolgte mit 2.- Mark pro cbm (m³) durch Herrn Oskar Müller (Zementmüller).An beiden Enden des Grundstücks _wurde je eine Schutzhütte mit Abort erstellt und dieser Auftrag an Zimmermeister Pankraz Waibel vergeben.

 

Die Kosten für beide Schutzhütten betrugen 443.- Mark (17.4. u. 29.4.10.) — Die Anfertigung des Hages (Zaunes) mit 3 je 5 m breiten Toren und ferner zwei "Türle" mit je lm Breite, wurde an Schlossermeister Ehinger übertragen, zum Preise von 2.2o Mark pro lfd. Meter bei Barzahlung (29.4. u. 8.5.1o.) — Es wurde ein weiteres Grundstück mit 27,38 Ar zum Preise von l8oo.- Mark von Frau Graf Wwe. (Hage Leos) erworben (l7.4.l0.) Der Kauf von Grundstücken von Ratschreiber Schroff von Schrott Wwe. und von Josef Ehinger mit insgesamt 4l Ar er fordern weitere 2430.- Mark . (6.1.11.) Das Gesamtgelände umfasste damit zu diesem Zeitpunkt rund 192 Ar.

 

Die Generalversammlungsberichte vom 5. Februar 1911 weisen nach, dass zur Finanzierung dieser geschilderten Vorgänge eine Hypothek von 5325.- Mark bei der Rheinischen Hypothekenbank in Mannheim, sowie bei Privatpersonen und dem Kathol. Arbeiterverein Darlehen mit zusammen 5809.- Mark aufgenommen und Genossenschaftsgelder in Hohe von 568.- und 66.- Mark verwendet wurden. Das auf 192 Ar angewachsene Areal war auf 92o2.- Mark zu stehen gekommen, einschließlich Kaufunkosten und Pachtentschädigungen. Dazu kamen dann noch die auf den Grundstücken angelegten Wege mit 120.- Mark, die Einfriedigung mit 1490.77 Mark , die Schutzhütten mit 443.- Mark, die Wasserleitung samt den Reservoiren (Trögen) mit 4440,04 Mark, das Genossenschaftsschild mit 97,2o Mark und die Schlüssel mit l6,4o Mark. Bei dieser Generalversammlung traten Stadtpfarrer August Ruf als 1. Vorstand und Aufsichtsratsvorsitzender der und Vikar Anton Sälinger als Schriftführer wegen kirchlich-obrigkeitlichen Vorschriften von ihren Ämtern zurück. Bei den Ersatzwahlen kamen Ludwig Buchegger und Peter Baumann in den Aufsichtsrat und bei einer Sitzung desselben am 22.2.1911 wurde Josef Minges zum Aufsichtsratsvorsitzenden und Ludwig Buchegger zum Schriftführer gewählt. — In dieser Generalversammlung wurde eine Pachtzinserhöhung von Mark 5,- auf Mark lo.- für 2. Ar vorgenommen. Zu erwähnen ist ferner, daß das erste große Grundstück mit A, das zweite neu­erworbene, direkt an der Gottmadingerstrasse gelegene Grundstück mit B bezeichnet wurde. Es wurde beschlossen, das Grundstück B ebenfalls mit Zaun und Wasserleitung zu versehen. Die Mitgliederzahl wurde für Ende 191o mit 68 angegeben.

 

 

 

Im Generalversammlungsbericht vom 17.3.1912 wird die Mitgliederzahl schon mit 94 benannt. Der Gesamtwert der Liegenschaften wird nach dem Zukauf der Grund­ stücke B mit Mark 11 982.52 beziffert, ohne Bauten, Zäune usw. Die statuten­gemäße Neuwahl des Aufsichtsrats zeigte folgendes Ergebnis:

 

Peter Baumann 1. Vorsitzender des Aufsichtsrats

 

Servaz Greuter Stellvertretervorsitzender

 

M. Bechinger Schriftführer

 

Max Trunz Beisitzer

 

Über die Personen der Vorstandschaft ist in dieser GV nichts erwähnt, sie scheinen die gleichen geblieben zu sein.

 

Diese ersten beiden Geschäftsjahre konnten bereits als recht erfolgreich betrachtet werden, da besonders 1912 schon ein Gewinn von l8l,45 Mark erzielt wurde. Überhaupt wirkte sich die Einrichtung der Gemüsebaugenossenschaft für deren Mitglieder recht vorteilhaft aus. Nachdem die erwähnten Grundlagen für die Genossenschaft durch die Geländebeschaffung, Errichtung der Einfriedigung und der sonstigen Bauten geschaffen worden waren, wickelte sich dann der Genossenschaftsbetrieb in vielen nachfolgenden Jahren dank der freundnachbarlichen Zusammenarbeit und des uneigennützigen Einsatzes von Vorstandschaft und Aufsichtsrat und der Mitglieder in ruhigen und geordneten Bahnen ab (meistens mit Überschüssen, selten mit Defizit), ohne dass zunächst besondere Ereignisse eintraten, außer den obligatorischen und vorgeschriebenen Sitzungen, Generalversammlungen und personellen Änderungen in den Vorstands-, und Aufsichtsratsämtern. Man hielt die Grundstücksanlagen in bester Ordnung, ergänzte und ver­besserte deren Einrichtungen fortlaufend und die Genossenschaft wirkte sich in den Notzeiten des Krieges 1914/18 und in dessen ersten Nachfolgejahren besonders segensreich aus. Fast alle Vorstands – und Aufsichtsratsämter bliebe durch immer wieder erfolgte Neuwahlen der gleichen Personen von diesen über lange Zeiträume besetzt, was sich für die geschlossene und ausgeglichene Genossenschaftsführung der Genossenschaft besonders günstig und wertvoll auswirkte.

 

Die Generalversammlung vom 16.3,1913 brachte als Vorstandschaft:

 

Vorstand........... Josef Kleibrink

 

Vorstand........... Peter Baumann

 

Kassier .............Reinhold Haag

 

In der Folge werden gelegentlich folgende Abkürzungen verwendet; GV = Generalversammlung - A.-Rat = Aufsichtsrat

 

A.-Vorsitzender = Aufsichtsratsvorsitzender .....A.-Sitzung = Aufsichtsratssitzung

 

Der Aufsichtsrat setzte sich nach der Neuwahl in dieser GV wie folgt zusammen: Max Trunz  Leo Isele - Servaz Greuter – M. Bechinger - Bloching -Schafheutle

 

In der GV wurden kleine Statutenänderungen und eine Arbeitsteilung vorgenommen. Besonders erwähnenswerte Beschlüsse wurden nicht gefasst. Die Mitglieder­ zahl war inzwischen auf über l00 angewachsen.

 

Die Generalversammlungen 1914/15 ergaben in der Vorstandschaft, bzw. im Aufsichtsrat erst 1915 Änderungen: Ein neuer Name taucht auf, Adolf Stengele wird Schriftführer (der spätere langjährige Vorstand), jedoch nur kurze Zeit. Kassier Haag trat 1915 zurück. An seiner Stelle übernahm Adolf Stengele das Kassiersamt. Reinhold Haag übernahm jedoch in der GV vom 3o.1.1916 das Amt des Schriftführers. Max Trunz wurde 1915 Vorsitzender des Aufsichtsrates. Im Verlauf des Geschäftsjahres 1915/16 schied Peter Baumann durch Tod aus der Vorstandschaft aus. Bei der Generalversammlung v.3o.l.19l6 wird als Ersatzmann Conrad Hoffmann in die Vorstandschaft gewählt, der aber bei der nächsten GV (25.2.17) schon wieder ausscheidet, wofür Jakob Schmidt in die Vorstand schaft aufrückte. — Für ein gekündigtes Darlehen der Frau Math.Schulz, Lahr, über 15oo.- Mark (s.A.-Rat-Sitzung v.22.3.16.) wurde ein Darlehen über lloo.- Mark bei Herrn Stadtrechner Adolf Bürsner, Singen, auf Schuldschein zum Zinsfuß von 4 1/ 2% aufgenommen. Der Differenzbetrag von 400.— Mark wurde aus der Kasse gedeckt. — Die Genossenschaft pachtete im November 1916 von der katholischen Pfarrgemeinde 5o Ar Land am Bohlingerweg zu 2,5o Mark p.Ar t die zu 3,5o Mark pro Ar an Genossenschaftsmitglieder weiterverpachtet wurden.

 

Eine erwähnenswerte Begebenheit spielte sich im Jahre 1916 ab; Die Haushälterin und Tochter eines Vorstandsmitgliedes stahlen laufend, auch zur Nachtzeit beträchtliche Mengen Gartenerzeugnisse von den Parzellen der an deren Genossen und wurden schließlich nach längerer zeit bei diesem Tun er wischt. Um nicht gegen jenes Vorstandsmitglied vorgehen zu müssen, wurde dieses veranlasst, aus Vorstandschaft und Genossenschaft auszutreten. — Außer diesen Begebenheiten und personellen Veränderungen waren in diesen Berichtsjahren , abgesehen von einigen Gartenbau- und Dörrkursen, keine besonderen Ereignisse zu verzeichnen (1914/1917).

 

Zu Beginn des Jahres 1918 wurde ja in weiteres, der katholischen Pfarrgemeinde gehörendes Landstück an der Rielasingerstrasse gepachtet und an die Mitglieder weiterverpachtet, doch fehlen hierzu die Angaben über Landgröße und Pachtpreise. — In der GV vom 21.4.1918 wurde die gesamte Vorstandschaft (Jos.Kleibrink, Ad.Stengele, Jak.Schmidt auf drei Jahre wiedergewählt. Ebenso erfolgte Wiederwahl des ganzen damaligen A.-Rates (darunter Trunz, Trüb, Eseenmann,. Haag). — Im Jahre 1919 verzog das um die Genossenschaft sehr ver­diente, langjährige Mitglied des Vorstandes und Aufsichtsrates Reinhold Haag in sein Heimatland Schweiz. — Die Ersatzwahl in der GV vom 23.2.1919 für die A.-Rat zeigte folgendes Ergebnis: Trunz, Denninger, Ed. Schellhammer, Wilhelm Schroff, letzterer als Schriftführer anstelle von Reinh. Haag. — Die GV vom 27.3.192o brachte einen Beschluss, nachdem die bisherige Jahresvergütung von 2o.- Mark für den Kassier auf 5o.- Mark erhöht wird. Die Vorstandschaft blieb die gleiche, der Aufsichtsrat setzte sich aus folgenden Mitgliedern zusammen: Trunz, Wilh, Schroff, Denninger, Bloching, Karl Maier, Ed. Schellhammer. — Wie für alle bisherigen Jahre konnte auch in der Generalversammlung vom l4.3.21. für das Jahr 192o wieder ein Reingewinn bekanntgegeben werden. Bei den Wahlen ergab sich die gleiche Vorstandschaft. Im Aufsichtsrat schied Denninger aus, an dessen Stelle. Wegen der stark gestiegenen Unkosten, Steuern etc. wurde eine Erhöhung des Pachtzinses um Mk. 2.5 pro Ar vorgenommen. - _Aus den Reihen des _Kathol. Arbeitervereins war Forderung laut geworden, dass gemäß Statuten der Genossenschaft (§3) die Mehrzahl der Mitglieder der Gemüsebaugenossenschaft aus Zugehörigen des Kathol. Arbeitervereins bestehen und alle Mitglieder der Genossenschaft katholischen Vereinen oder auf christlichem Boden stehenden Organisationen angehören müssten. In dieser GV wurde festgestellt, dass 75% der Genossen dem Kathol. Arbeiterverein angehören und auch die geforderte Konfessionszugehörigkeit bei allen Mitgliedern zutreffe. Einen breiten Raum nahmen die Beratungen über geplante Gelände zukaufe und eine eventl. Erhöhung der Stammanteile Mk.50.- oder Mk. 100.- ein, doch wurden noch keine Beschlüsse darüber gefasst Erstmals einen Verlust von 343.13 Mark musste man in der GV vom 18.2.1922 bekannt geben. Die Pachtzinsen wurden deshalb auf Mk. 15.- pro Ar für das Gelände am Hohentwiel und mit Mk. 12.- pro Ar für das Gelände an der Rielasingerstrasse erhöht (Beginnende Inflationszeit!). - Es wurde der bisherige Vorstand und Aufsichtsrat wiedergewählt. - Ein Beschluss legte fest dass Mitglieder der freien Gewerkschaften nicht Mitglieder der Gemüsebauge­nossenschaft sein können. Auf Grund dieses Beschlusses wurden einige bisherige Genossen ausgeschlossen. — In den Jahren 1921/22 waren Fragen der Grundstücksgrenzen gegenüber den Nachbarn Bauunternehmer Simon und Gottfr. Maurer zu klären und auszufechten. - Die Stammanteile wurden auf Mk. 50.- erhöht.

 

Die Generalversammlung vom 28.1.1923 stand im Zeichen der fortschreitenden Inflation. Der Pachtzins wurde auf Mk. loo.- pro Ar und die Einzelhaftsumme von Mk. 5o.- auf Mk. 500.— erhöht. Der Oberstiftungsrat in Karlsruhe setzte als Pachtzinsforderung für die von der Kathol. Kirchengemeinde gepachteten 50 Ar Land an der Rielasingerstrasse, einen Pachtzins fest, welcher dem jeweiligen Preis eines Doppelzentners Weizen entspreche. Das war für 1922 ein Betrag von Mk. 8000.- während zum Zeitpunkt der GV vom 28.1.23 der Doppel- Zentnerpreis schon 120 000.- bis l40 000.- Mark betrug. Das brachte die Genossenschaft in arge Schwierigkeiten, weil die Einnahmen weit hinter den in schnellem Tempo immer höher steigenden Preisen und Forderungen zurück­ blieben. Ein Beschluss darüber, wie man dieser Entwicklung begegnen sollte konnte in dieser GV 1923 nicht gefunden und gefasst werden. - In der Vorstandschaft trat Adolf  Stengele als Kassier zurück. Sein Amt wurde von J. Seiterle übernommen. An die Stelle eines verstorbenen Aufsichtsratsmitgliedes (Schellhammer) trat August Holzer. Alle übrigen Ämter blieben gleich besetzt. — Eine außerordentliche Mitgliederversammlung vom 3.2.23 befasste sich mit der Pachtzinsforderung des Oberstiftungsrates. Man be schloss, den erhöhten Pachtzins solidarisch aufzubringen. - Im Jahre 1923 wurden 2oo Marksteine zwischen den Parzellen gesetzt, - Eine ganze Reihe Vorstands— und Aufsichtsratssitzungen musste sich fortlaufend mit den Geld­angelegenheiten wegen der immer größer werdenden Entwertung befassen. Während die Pachtzinsen für Mitglieder auf Mk. 1000.- pro Ar erhöht worden waren, stieg der Preis für einen Doppelzentner Weizen auf 25 - 3o Millionen Mark an. Man erhöhte deshalb den Mitgliederpachtzins erneut auf Mk. 100 000.- pro Ar • (30.8.23) . Es wurde bekannt gegeben, daß sämtliche auf den Grundstücken ruhenden Hypotheken abbezahlt seien (3.5.23)• Trotz allen diesen Maßnahmen war durch die laufenden Unkosten (Steuern, Wasserzins, Pacht für gepachtetes Land, Reparaturen) mit immer noch höheren, phantastischen Rechnungsbeträgen, eine Schuldenlast entstanden, die zur Tilgung 60 Milliarden Mark (17.10.192) erfordert hätte. Zur Abdeckung dieser Riesensumme wurde eine Sonderumlage von 3o Millionen Mark pro Ar von den Mitgliedern eingezogen. Mitte November 1923 war diese Umlage aber schon auf 3o Milliarden Mark pro Ar und der Weizenpreis auf 4 Billionen Mark pro Doppelzentner angewachsen.

 

Der seit 13 Jahren amtierende und um die Genossenschaft sehr verdiente 1. Vor­stand Josef Kleibrink legte in der GV vom 13.1.1924 sein Amt nieder. An seine Stelle wurde mit 37 von 40 Stimmen Adolf Stengele zum 1. Vorstand gewählt. Digesamte übrige Vorstandschaft (Jak.Schmidt, Seiterle, dazu neu Stengele) und der Aufsichtsrat (Trunz, Maier, Isele, Schroff, Holzerjf Bloching) wurden wiedergewählt.— Nachdem die Währung wieder stabilisiert war, konnte in diese GV der Pachtzins für Mitglieder neu festgesetzt werden und zwar mit Renten­ mark 5.- pro Ar. Dem Kassier wurden 5% Vergütung für den Einzug gewährt. - Josef Kleibrink wurde zum Ehrenvorstand ernannt.

 

In einer außerordentlichen Generalversammlung vom 2.5.1924 wurde die ge­setzlich vorgeschriebene Umstellung der Geschäftsanteile auf Goldmark vorgenommen. Einzelhaftsumme und Geschäftsanteil wurden auf je Goldmark l0.- pro Mitglied festgesetzt. Entsprechende Statutenänderungen wurden vorgenommen. Die Genossenschaft wies zu diesem Zeitpunkt 140 Mitglieder auf. Der Land wert betrug 11 928.- Goldmark. In der gleichen außerordentlichen GV wurden mehrere weitere Statutenänderungen vorgenommen. Die GV vom 25.1.25 bestätigte die bisherige Vorstandschaft samt Aufsichtsräten und beschäftigte sich im Übrigen mit allgemeinen internen Angelegenheiten (u.a. Hypothekenaufwertung) -- Verschiedene Vorstandsitzungen im Jahresablauf und die GV vom 7.2.1926 befassten sich ebenfalls mit der Hypotheken-Aufwertung, die mit RM 1967.50 festgesetzt worden war. — Bei den Wahlen wurde Johann Geiger zum Kassier gewählt, für den wegen Krankheit ausgeschiedenen Josef Seiterle. Die übrigen Ämter blieben gleich besetzt, wie im Vorjahr. - Der Pachtzins wurde von Mk. 2.50 auf Mk. 3.50 pro Ar erhöht. - Ein wichtiger Punkt war der Beschluss zu einer freiwilligen Darlehensaufwertung mit je 25% aus ehemaligen Darlehen des Kathol. Arbeitervereins mit Mk. 3500.— und aus Mk. 1100.- der Frau Bürsner Wwe., zusammen eine Aufwertungssumme von Mk, 1150.- - Wegen dem 1926 in unmittelbarer Nähe des Genossenschaftsgeländes begonnenen Krankenhausneubau wurde zur Aufklärung und Beruhigung der Mitglieder, wegen der umlaufenden Gerüchte bezüglich Abtretung von Gelände, eine Mitgliederversammlung am 21.11.1926 abgehalten. Die GV vom 3o.1.1927 ergab keine Änderung in der Besetzung der Genossenschaftsämter. Die Ereignisse während des Jahres 1926 und dis Beschlüsse dieser GV waren allgemeiner Art ohne besondere Wichtigkeit.

 

Anders lagen die Dinge im Jahre 1927- - Wegen einer Zufahrtstrasse zum Krankenhaus musste im Laufe des Jahres 1927 nun doch Gelände an die Stadt abge­treten werden und zwar 2 Ar, 60 qm vom Gelände A und vom unteren Gelände B 14 Ar, zum Preise von Mk 4.- pro qm. Durch Vereinbarung mit der Stadt wurde dafür ein von dieser von Viktor Weber gekaufter, direkt westlich neben dem Gelände B liegender ca. 17 Ar großer Acker als Ersatz zum gleichen qm Preis gegeben, so dass die Genossenschaft ca. 2 Ar mehr Gelände erhielt, als von ihr abgetreten wurde. — — Die GV vom 5.2.1928 brachte keine Änderungen in der Vorstandschaft und im A.-Rat, auch sonst keine nennenswerten Ereig­nisse, ausgenommen die geplante Aufnahme eines K.K.-Kredits bis zu RM.25oo.-bei der Bezirkssparkasse Singen, um daraus die Aufzahlung an die Stadt für den Geländetausch vornehmen und etwaige weitere, daraus entstehende Unkosten (Einfriedigung, Wasserleitung usw.) decken zu können. In den Jahren und Generalversammlungen von 1929/1931 gab es nur wenige hervortretende Ereig­nisse in der stabil und gleichmäßig ablaufenden Geschäftsjahren der Gemüsebaugenossenschaft: Der langjährige Vorsitzende des Aufsichtsrates, Max Trunz. trat 1929 von seinem Amt aus Gesundheitsrücksichten zurück (verblieb aber im A.-Rat) und wurde durch Bartholomäus Bloching ersetzt. - Am 3.11.193o wurde Stadtpfarrer August Ruf (Gründer der Genossenschaft) aus Anlass seines 25jährigen Orts Jubiläums zum Ehrenmitglied der Gemüsebaugenossenschaft ernannt. (Bd.A.S.83) - Man erhöhte sowohl 1930 wie 1931 den Pachtzins von bis­ her RM 7.- für 2 Ar, um einen Sonderbeitrag von RM 1.- für Unkosten, auf RM 8.-. — — In der GV vom 14.2.1932 trat das sehr verdiente Vorstandsmitglied Jakob Schmidt ( seit 1916 im A.-Rat, ab 1917 im Vorstand) wegen Erkrankung von seinem Amt zurück. Sein Amt übernahm der bisherige A. Vorsitzende Barthol. Blochimg. In den A. -Rat rückte Josef Vogelbacher nach. Vorsitzender des A. -Rates: Leo Isele. - Eine Pachtzinssenkung um eine Mark von RM 8.- auf RM 7.- für 2 Ar wurde vorgenommen. - Mitgliederstand 19o. Diese überraschend hohe Mitgliederzahl rührte daher, weil damals viele Mit­glieder, die kein Gartenland besaßen, der Genossenschaft angehörten, also ohne dass sie Pächter eines der Genossenschaftsländer waren. — — Unvorhergesehene größere Reparaturen, zusammen mit der Pachtzinssenkung verursachten für 1932 ein Defizit von Mk 94.56. Die GV vom 22.1.35., in der die Männer vom Vorstand und A. -Rat alle wiedergewählt wurden, beschloss deshalb eine erneute Heraufsetzung des Pachtzinses auf Mk. 4.- pro Ar. - Mitglieder­ stand 175. Im Verlauf des Jahres 1933 wurde die Genossenschaft, so wie es damals im 3. Reich bei allen Vereinigungen üblich war "gleichgeschal­tet", doch blieb die Leitung der Genossenschaft dieselbe, nur dass es eben damals anstelle des 1. Vorstandes einen "Vereinsführer" gab. — — Die GV vom l8. 2. 34. brachte keine Veränderungen in der Genossenschaftsführung. Es konnte bekannt gegeben werden, dass das vorjährige Defizit ausgeglichen wurde. In einer Sitzung des A. -Rates vom 23.6.1934 wurde August Holzer zum Vor sitzenden des A.-Rates gewählt. — — In der GV vom 3.2.1935 konnte das 25jährige Bestehen der Genossenschaft gefeiert werden, die zu dieser Zeit punkt 118 Mitglieder zählte. Die Wahlen in dieser GV ergaben keine Änderungen

 

In den Jahren 1936 bis 1939, sowie in den entsprechenden Generalversammlungen vom 9.2.1936., 21.2.1937, 2o.2.1938 und 26.2.1939 gab es in der Genossenschaft keine besonders wichtigen Ereignisse, die hier erwähnt werden müssten. Die Angelegenheiten und Geschäfte der Genossenschaft liefen in ruhiger und sicherer Weise unter der bewährten und sich in dieser Zeit kaum veränderten Leitung weiter. In der GV 1936 schied der Kassier Job. Geiger wegen Erkrankung aus der Vorstandschaft aus. An seiner Stelle wurde der bisherige Schriftführer Wilhelm Schroff zum Kassier gewählt. Für Wilhelm Schroff wurde Wilhelm Stengele Schriftführer. An Stelle des 1936 verstorbenen A.-Rat-Mitgliedes Leo Isele kam. Alfons Schroff und für den zurückgetretenen Jos. Vogelbacher ferner Jos Schmid 1937 in den A. -Rat. - Im laufe des Jahres 1937 war der Tod des langjährigen Kassiers Joh. Geiger zu beklagen. - Seit der Pachtzinsfestsetzung von 1933 blieb dieser unverändert auf einem Stand von Mk. 4.-pro Ar bestehen. - Mitgliederstand: 1936 = 112 Personen; 1937 = 110 Pers.; 1938 = 111 Pers.; 1939 = 112 Personen; 1940 = ll4 Personen.

 

Die außerordentlich wertvolle und segensreiche Einrichtung der Gemüsebau Genossenschaft und ihre volle Existenzberechtigung wurde erneut in den Jahren des 1939 begonnenen 2. Weltkrieges und besonders in seinen furchtbaren nach Folgejahren unter Beweis gestellt. Bei der großen Lebensmittelknappheit während des Krieges besonders aber in den Hungerjahren nach Beendigung desselben 1945 - 1948 waren die Gartenerzeugnisse , welche die Genossen aus ihren Länd­chen ernteten eine gar nicht hoch genug einschätzbare Nachhilfe zu den katastrophal knappen Lebensmittelzuteilungen der damaligen Zeit. Die Genossen pflegten deshalb ihre Pachtländer besonders aufmerksam, um möglichst gute Erträgnisse zu erzielen. - Es ist klar, dass in den Kriegs- und ersten Kriegsnachfolgejahren keine außerordentlichen Geschehnisse für die Genossenschaft eintraten. Es sollen deshalb hier diese Jahre nur kurz erwähnt werden: Von bis mit 1940 bis mit 1943 blieb im Vorstand und A. -Rat alles unverändert. Im Jahre 1944 verstarb das Gründungs- und Vorstandsmitglied Bartholomäus Bloching. Sein Vorstandsamt übernahm Franz Müller. - Die Generalversammlungen fanden statt: am 11.2.1940 - 16.2.1941 - 15.2.1942 - 14.3.1943 - und am 25.3.1944. — Mitgliederzahlen: 1940 – ll4 Personen; 1941 = 112 Pers, 1942 = 112 Personen; 1943 = keine Angaben; 1944 = 111 Personen.

 

1940 konnte mit der 30. Generalversammlung das 30jährg. Bestehen der Genossenschaft gefeiert werden. Adolf  Stengele gehörten gleichzeitig 25 Jahre der Vorstandschaft, bzw. dem A. -Rat an.

 

1941 wird der Pachtzins von Mk. 4.- auf Mk. 3.5o pro Ar ermäßigt. Es befanden sich 7 Mitglieder beim Kriegsdienst, darunter A.-Rat Alfons Schroff. Es wurde ein Feldpostpäckchen an jeden dieser Soldaten gesandt.

 

1942, Keine besonderen Ereignisse

 

1943, wurde Pachtzinsermäßigung von RM 3.5o auf EM 3.- pro Ar vorgenommen« . , 1944, Außer erwähnter Änderung im Vorstand keine besonderen Ereignisse.

 

Erste Kartoffelkäferaktion.

 

1945, Wegen des unglücklichen Kriegsausgangs und der noch ganz ungeklärten

 

Verhältnisse unter der Besatzungsmacht fiel für 1945 die GV aus. Die

 

bisherige Vorstandschaft blieb vorerst im Amt.

 

1946. Auf Anordnung der damaligen Militärregierung vom April 1946 musste bei allen landwirtschaftlichen Genossenschaften vor dem 1.6.1946 die Neu­konstituierung durch die Abhaltung von Generalversammlungen vorgenommen werden. Diese Generalversammlung für 1945 und 1946 fand am 5.5.1946 statt. Der bisherige Gesamtvorstand musste zurücktreten, darunter auch der um die Genossenschaft in hervorragender weise verdiente Adolf Stengele nach 30jäh-riger Vorstandstätigkeit, davon 21 Jahre als 1. Vorstand. Zur Neugründung waren umfangreiche Statutenänderungen notwendig, die vor allem aus denselben die nationalsozialistischen "Erinnerungen" verschwinden lassen mussten. Die Neuwahlen zeigten folgendes Ergebnis:

 

Vorstand:..... August Holzer

 

Vorstand: ....Alfons Schroff

 

Rechner: ......Wilhelm Schroff

 

In den Aufsichtsrat wurden gewählt:

 

Max Trunz - Richard Wehrle - Johann Stengele - Josef Kolberg - Josef Homburger - Reinhard Scheu. -

 

Daraus wurden in einer Aufsichtsratssitzung vom 25.4.46. gewählt:

 

Vorsitzender des A._Rates ...................Reinhard Scheu

 

Stellv. Vorsitzender des A._Rates..........Josef Kolberg Schriftführer............................................ Josef Homburger.

 

1945 wurde der Pachtzins von Mk. 3.- auf Mk. 3.5o erhöht. - Der Mitglieder­ stand betrug: 1944 = ll0 Mitglieder; 1945 = 111 Mitglieder; 1946 = 111 Mitgl.

 

Von den Jahren 1947 und 1948 kann nichts Besonderes berichtet werden. Die

 

Mitglieder des Vorstandes und Aufsichtsrates blieben dieselben, wie 1946 gewählt. — Mitgliederstand: 1947 = 111 Mitgl.; 1948 = 112 Mitglieder. Die

 

Generalversammlungen fanden statt am 20.4.1947 und am 21.3.1948.

 

Eine wichtige Besprechung wurde dann doch noch für 1948 in einer Vorstands— und Aufsichtsratssitzung vom 1.8.1948 wegen der durch die Währungsreform entstandenen Situation notwendig. Es musste eine RM - Schlussbilanz und eine DM-Eröffnungsbilanz aufgestellt werden. Die Abwertung der Anleihen und Hypo­theken geschah l : l0. Durch die Abwertung des Barvermögens der Genossen­schaft war nicht mehr genügend Geld vorhanden zur Bestreitung der laufenden Unkosten. Deshalb wurde die Nacherhebung eines Pachtzins-Nachtrags von DM 1.-beschlossen und durchgeführt.

 

Die Wahlen bei der GV vom 13.8.1949 ergaben keine Änderung beim Vorstand und A. -Rat. - Die Genossenschaft zählte 113 Mitglieder. - Es wurde eine Aufforderung an die Mitglieder gerichtet, die kein Pachtland von der Genossenschaft besitzen, aus der Genossenschaft auszutreten, da weder die Mitglieder selbst, noch die Genossenschaft einen Nutzen aus dieser Mitgliedschaft haben; die Genossenschaft habe sogar nur Nachteile dadurch. Die Stammanteile dieser ausscheidenden Mitglieder wurden l : l0 = mit DM l.- zurückbezahlt. - Anfangs 1949 verstarb der langjährige l. Vorstand Adolf Stengele.

 

Eine ordentliche Generalversammlung konnte im Jahre 195o nicht einberufen

 

werden, weil vom Genossenschaftsverband die Richtlinien zur Aufstellung

 

einer DM-Eröffnungsbilanz immer noch ausstanden,, weshalb diese Bilanz auch

 

nicht aufgestellt und eine Generalversammlung nicht abgehalten werden konnte.

 

Es wurde deshalb am 3o.7.5o. eine Mitgliederversammlung zur Aufklärung der

 

Genossen durchgeführt. Vom Verband wurde mitgeteilt, dass die Stammanteile

 

wieder aufgewertet werden müssten. Die Versammlung beschlösse, die Geschäftsanteile der alten Mitglieder auf DM 5.- aufzuwerten und gutzuschreiben. Die

 

restlichen DM 5.- wurden in 3 Raten mit dem Pachtzins eingezogen.

 

Der Mitgliederstand betrug 102 Personen.

 

Im Beisein von Verbandsrevisor Schafle, Radolfzell, wurde am 28.1.1951 die GV abgehalten. Die DM Eröffnungsbilanz zum 21. 8. 48 konnte nun vorgelegt werden und wurde einstimmig gebilligt. Bei den Wahlen blieb es bei der bis­herigen Vorstandschaft, während für den Aufsichtsrat, durch das Ableben des langjährigen A.- Ratsvorsitzenden Max Trunz und das Ausscheiden des A. -Rats- Mitglieds Josef Kolberg, Anton Scheller jr. und Rudolf Sättele in den Auf­sichtsrat gewählt wurden. Mit dieser GV konnte die Genossenschaft auf ein 40jähriges Bestehen zurückblicken. .- Mitgliederstand: 102 Personen.

 

Zur Zeit der Generalversammlung vom 2.3.1952 zählte die Genossenschaft l00 Mitglieder. Die Wahlen ergaben die gleiche Vorstandschaft und denselben Aufsichtsrat wie bisher. Ein sehr bedeutender Eingriff in die Grundlagen der Gemüsebaugenossenschaft drohte mit der unvermeidlichen Landabgabe für den Erweiterungsbau des Städt. Krankenhauses. Von der Abgabe sollte 18 Länder, also ca. 36 Ar betroffen werden, für die allerdings von der Stadtverwaltung geeignetes, gutes Ackerland am Torkelweg (nur durch diesen vom Gelände A getrennt), direkt am Fuße des Hohentwiel gelegen, zum Kauf vermittelt wurde. Oberbürgermeister Diez sagte seine volle Unterstützung für eine gute Regelung dieser Angelegenheit zu. Eine Kommission für die Bearbeitung dieser Grundstückssache und weitere Verhandlungen in derselben wurde gebildet (Holzer, Wilhelm Schroff, Reinh. Scheu, Jos. Homburger) . Ein ereignisreiches Geschäftsjahr mit sehr viel Arbeit und Mühe besonders für den 1. Vorstand und seine engsten Mitarbeiter wurde das Jahr 1953- - Der Mitgliederstand betrug bei der Generalversammlung vom 25.4.1953 = 100 Genossen Die Wahlen ergaben die gleiche Vorstandschaft, wie im Vorjahr. Der A. -Rat-Vorsitzende Reinh. Scheu trat altershalber und das A. -Rat-Mitglied Johann Stengele wegen Krankheit zurück. Als Ersatz wurden Josef Rettich und Josef Schuler in den A. -Rat gewählt. Josef Homburger wurde Vorsitzender desselben und an dessen Stelle übernahm Anton Scheller jr, das Amt des Schriftführers. Einen breiten Raum in mehreren Vorstands- und Aufsichtsrats- Sitzungen und in dieser GV nahmen die Beratungen über die wegen der Krankenhaus-Erweiterung notwendig gewordene große Geländeabtretung und wegen dem Neuerwerb der ange­botenen Ersatzgrundstücke am Torkelweg, ein. Anstatt der ursprünglich vorge­sehenen Abtretung von 10 Pachtländern mit zusammen 36 Ar, war schließlich die Abgabe von 2o Ländern mit 42,83 Ar erforderlich geworden. Die Ersatzgrund stücke umfassten aber nur ein Gelände von 33.64 Ar, so dass nur 15 Genossen mit Ersatzländern befriedigt werden konnten. Diese Grundstücke (Eigentümer Ehinger u. Finus) wurden zum Preise von DM 4.5o pro m² = insgesamt für den Betrag von DM 15 138.- gekauft, während das an die Stadt abgegebene Gelände DM 6.- pro m² , insgesamt DM 26 l6o.- einbrachte. Um wieder auf die gleiche oder eine noch etwas umfangreichere Geländegröße zu kommen, wäre der Ankauf eines weiteren Grundstücks notwendig geworden, das auch mit 19,22 Ar (Eigentümer Joos-Maier) zum Preise von DM 4.5o pro m² angeboten war. Der Kauf kam im Oktober 1953 zu Stande, Dadurch waren nun 9,22 Ar mehr Land Eigentum der Genossenschaft, wie vor der Geländeabtretung. Diese ganze Angelegenheit brachte aber die Genossenschaft in eine arge Steuerbedrängnis, denn das Finanzamt forderte aus den angeblichen Gewinnen zwischen Verkäufen und Neukäufen eine Körperschaftssteuer in Höhe von rund DM 15 000. Obwohl die Stadt die Kosten für die notwendig gewordene, teilweise Neuerstellung der Einfriedigung, für die Verlegung der Wasserleitung und für die Neuerstellung der Brunnentröge, sowie die Kauf- und Vermessungskosten übernahm, war der besteuerte Gewinn nur ein Scheingewinn, denn es musste noch das erwähnte Grundstück Joos-Maier erworben werden und außerdem entstanden durch die ganz Umlegung sonst noch beträchtliche Unkosten und Schaden, so dass von einem Gewinn nicht die Rede sein konnte. Trotzdem war eine steuerliche Heranziehung der Genossenschaft aus diesem Grundstücksverkauf und Neukauf nicht zu ver­meiden, jedoch gelang es Herrn Revisor Märgel und den Herren des Verbandes in Karlsruhe, diese steuerlichen Abgaben in erträglichen Grenzen zu halten.

 

Die Generalversammlung vom 16.6.1954 wurde verspätet abgehalten wegen den aus der Grundstücksangelegenheit resultierenden und sich bis weit in das Jahr 1954 hineinziehenden Verhandlungen, Arbeiten usw., weshalb auch die Jahresabschlussarbeiten verzögert wurden. Bei den Wahlen in dieser GV wurden alle bisherigen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder wieder bestätigt, bis auf den freiwillig aus dem A.-Rat ausgeschiedenen Josef Schuler, für welchen als Ersatz Karl Weber gewählt wurde. In dieser GV wurden erstmals für 99 Garten­länder für deren Zustand Bewertungsnoten ausgegeben. Der Pachtzins wurde wie bisher auf DM 3.5o pro Ar belassen.

 

In den Jahren 1955/1959 mit den Generalversammlungen vom 21.5.1955, ; 14.10.56, ; 6.4.1957, 29.3.1958 und l8.4.1959 waren keine besonders hervortretenden Ereignisse zu verzeichnen. Die Männer vom Vorstand und Aufsichtsrat wurden in alle diesen Berichtsjahren immer wieder neu gewählt, sodass seit 5 Jahren die Lei­tung der Gemüsebaugenossenschaft in den gleichen bewährten Händen liegt, ein Zeichen der Wertschätzung und des Vertrauens von allen Mitgliedern für diese Genossenschaftsleitung. - Die Mitgliederzahlen waren in diesem Berichts Zeitraum folgende: 1955 = 108 Mitglieder, 1956 = 104 Mitglieder; 1957 = l04 Mitglieder; 1958 = 104 Mitglieder; 1959 = 106 Mitglieder. Bei der GV vom 14.4.56. musste der Pachtzins auf DM 5.- Pro Ar erhöht werden, weil umfangreiche Reparaturen an der Einfriedigung und die Erstellung einer Schutzhütte notwendig geworden waren. Es wurden im nachfolgenden Jahr DM 1055.- für Reparaturen aufgewendet. Das gesamte Grundstückseigentum der Genossenschaft beträgt heute 2,08 ha. Die Gemüsebaugenossenschaft Singen (Hohentwiel) e.G. mit beschränkter Haftpflicht wird nun am, Samstag, 3.10.1959 die Feier ihres 50jährigen Bestehens begehen. Fünfzig Jahre einer sicheren und ruhigen, aber stetigen Entwicklung, haben die Ge­nossenschaft heute auf eine ausgezeichnete und stabile Grundlage gestellt, die einen weiteren, guten Fortschritt gewährleistet. Dieses Ziel konnte nur durch die unermüdliche und uneigennützige Arbeit der leitenden Männer in der Genossenschaft und durch die schöne Gemeinschaft und die Mitwirkung aller Genossenschaftsmitglieder, entsprechend dem Wahlspruch der Genossenschaft

 

"Einer für alle — Alle für einen"

erreicht werden.

Der Chronist wünscht der Genossenschaft und ihren Gartenerzeugnissen auch weiterhin ein recht gutes Gedeihen.

  

Singen ( Hohentwiel) , 29. September 1959.

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